Gründungsjahre

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Es war einmal vor 40 Jahren …unsere Tanz- und Trachtengruppe Reutlingen.

Die Ehemaligen und Gründer-Tanzpaare trafen sich nach 4 Jahrzehnten zum ersten Mal im April diesen Jahres zum fröhlichen Wiedersehen und Austausch. Es war schon einmalig, junge Menschen in einer Tanz- und Trachtengruppe einzubinden, sie zu motivieren und so Raum für soziales Lernen zu schaffen. Aber nichts war für diese jungen Menschen umsonst. Das Training war intensiv, streng und fand oft über mehrere Stunden statt. Da gab es zusätzliche Trainingstage vor den einzelnen Auftritten. Die Veranstaltungen mussten geplant und der Fahrdienst meist mit privaten Fahrzeugen organisiert werden.
Es gab einige wenige Originaltrachten. Aber die Großeltern und Eltern hatten oft noch Unterröcke und Oberröcke – sie dienten während der Kriegsjahre umgenäht als Bettwäsche – die nun wieder zu Trachten wurden. Trachten aus anderen Ländern wurden in Heimarbeit nach originalen Mustern neu genäht. Die Auftritte fanden nicht nur im direkten Umfeld von Reutlingen statt. Orte wie Sindelfingen, Ulm, Stuttgart, Villingen-Schwenningen waren keine Seltenheit.
Die Reisen gingen aber auch bis nach Berlin, Paris, Brüssel und in die USA. Besonders beeindruckend war unsere Reise nach Frankreich zu einer französischen Tanz- und Trachtengruppe in Cherbourg in der Normandie. Dort versammelten wir uns 1968 als erste deutsche Jugendgruppe zusammen mit dem damaligen Bürgermeister auf einem Soldatenfriedhof zur Kranzniederlegung um der Opfer der Kriege auf beiden Seiten zu gedenken.
Trotz oder gerade wegen der intensiven Einbindung in eine solche Gruppe verlief das Schulleben für viele fast reibungslos. Schaden hat wohl keiner genommen.Und um einen Bogen in die heutige Zeit zu schlagen. Im Juni 2005 konnte ich an einer Kulturreise nach Sibirien teilnehmen. Unsere Reise führte uns in ein Dorf von Altgläubigen in der Nähe von Ulan Ude in der Republik Burjatien. 1934 wurden die ehemaligen Wolgadeutschen von Stalin dorthin deportiert. Wolgadeutsche, ehemaliger Abstammung aus der Pfalz mit ähnlichen Traditionen. In Trachten mit Knopfakkordeon und Tanz wurden wir zu Polka und Walzer eingeladen. Klänge wie aus der Heimat unserer Großeltern, die ehemals aus dem benachbarten Elsaß-Lothringen stammen.
Beeindruckend und stark verbindend über die Musik und Tanz entstanden herzliche Kontakte. Auch weit weg von Deutschland wurden die Traditionen hochgehalten.Es muss deshalb lobend erwähnt werden, dass es noch heute die Donauschwäbische Tanz- und Trachtengruppe gibt. Ich wünsche zum 40 jährigen Jubiläum den jungen Menschen viel Freunde in ihrer Tranz- und Trachtengruppe, schöne Erlebnisse und intensive Freundschaften über viele Völker hinweg.
Bericht von Anne Kreim, ehemaliges Mitglied aus den Gründerjahren